Lesetipp von
Sybille Kramer
21.11.2023

Meine Empfehlung für den Dezember stammt von der amerikanischen Autorin Tess Gunty und heißt "Der Kaninchenstall", ausgezeichnet im Jahr 2022 mit dem National Book Award für den besten Roman. Sie ist die jüngste Preisträgerin in dieser Kategorie nach Philipp Roth, der 1960 diesen Preis erhielt.
Im Mittelpunkt des Romans steht ein achtzehnjähriges Mädchen, das sich Blandine nennt und sehr für mittelalterliche Mystikerinnen interessiert. Besonders die Werke von Hildegard von Bingen haben es dieser jungen Frau angetan, die etwas Merkwürdiges und Mysteriöses zu umgeben scheint. Erst nach und nach werden wir ihre Geschichte erfahren und warum sie kurz vor ihrem Abschluss die Schule abgebrochen hat. Aber wir wissen vom ersten Kapitel an, dass etwas Schreckliches geschehen ist.
Eine weitere Hauptrolle spielt das Haus, in dem Blandine lebt und welches von allen Bewohnern nur "der Kaninchenstall" genannt wird; früher ein schickes Vorzeigeprojekt, jetzt die gerade noch bezahlbare Heimat der einfachen Bevölkerung. Auch die Nachbarn von Blandine sind ziemlich skurril, erst recht ihre WG-Mitbewohner, drei junge Männer, die alle eine schwierige Kindheit hatten.
Als das Viertel, in dem auch der Kaninchenstall liegt, von rücksichtslosen Stadtplanern modernisiert und umgestaltet werden soll, setzen sich einige Bewohner mit ungewöhnlichen Mitteln zur Wehr ...
Dieses fantastische Buch vereint große Themen wie Gentrifizierung, Klassenunterschiede, Machtmissbrauch, Einsamkeit und einiges mehr zu einem großen, ungewöhnlichen und sprachgewaltigen Roman.

Übersetzung: Übersetzt von Sophie Zeitz
Roman
Kiepenheuer & Witsch, 25,00 €

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